„Schweigen im Angesicht des Bösen ist selbst böse.“

Fast jeder hat schon einmal von Dietrich Bonhoeffer, dem Widerstandskämpfer aus dem Dritten Reich gehört. Der berühmte Theologe und Pastor (1906 bis 1945) war Mitglied der Gruppe, die 1944 den Versuch unternahm Adolf Hitler zu töten und ist nicht zuletzt durch seine theologischen Schriften weit über Deutschland hinaus bekannt.

Schon als Teenager habe ich Dietrich Bonhoffer bewundert. Er hat wahrhaftig seine innere Überzeugung gelebt und sich durch wahrhaftig nichts und niemanden davon abbringen lassen, was er als das Richtige erkannt hat. Er schrieb:

„Unrecht leiden schadet keinem Christen. Aber Unrecht tun schadet.“

Und so nahm er jahrelange Verfolgung in Kauf, verbrachte Jahre im Gefängnis, kam später ins Konzentrationslager und wurde schließlich von der nationalsozialistischen Justiz ermordet.

Auch im Gefängnis, aus dem uns zahlreiche Briefe und Gedichte erhalten geblieben sind, blieb er sich treu. Er nutzte die freie Zeit (es muss eine unglaubliche Langeweile gewesen sein) dazu, seine Gedanken zu ordnen und seinen Glauben zu festigen. Er schrieb:

„Wie überwinden wir das Böse? Indem wir es vergeben ohne Ende. Wie geschieht das? Indem wir den Feind sehen als den, der er in Wahrheit ist, als den, für den Christus starb, den Christus liebt.“

Was für eine Kraft, was für eine Menschenliebe gehört dazu, seine eigenen Gefängniswärter und Folterer anzuschauen und (wenigstens zu versuchen, ich gehe jetzt mal davon aus, dass auch Dietrich Bonhoeffer das meistens schwer gefallen ist) einen Menschen zu sehen, der es wert ist, geliebt zu werden?

Natürlich fiel ihm das nicht immer leicht. Dann fand er Trost in seinem Glauben. ich weiß nicht, ob ich meinen Glauben an einen guten Gott, der mich ganz persönlich liebt, in solchen Umständen lange halten würde können. Aber Dietrich Bonhoeffer gewinnt eher noch Kraft durch die widrigen Umstände.

„Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht. ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe. Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weisst den Weg für mich.“

Wie wir noch feststellen werden, ist der Lohn für eine feste Überzeugung oft nicht verdient. Und so wird Dietrich Bonhoeffer, am 9. April, einen Monat vor der Kapitulation des Nazi-Regimes, im KZ Flossenbürg durch Hängen ermordet.

Wie schaffte Dietrich Bonhoeffer das? Gegen alle Vernunft seine Überzeugungen zu leben und sogar weiterzu entwickeln?
Einen großen Teil seiner inneren Stärke hat er (ganz offensichtlich) aus seinem Glauben an Gott gewonnen. Auch in der tiefsten Dunkelheit hat er darauf vertraut, dass Gott bei ihm ist und ihm den Weg weist.

Ich glaube, dass aber auch die Unterstützung und der Rückhalt in seiner Familie Dietrich Bonhoeffer dabei geholfen haben, sein Leben auszuhalten. Ich stelle es mir unglaublich viel schwieriger vor, nicht nur gegen die äußere Gesellschaft, sondern auch gegen meine Liebsten, meine Familie zu arbeiten und zu rebellieren. Diese Beziehungen wurden durch die zwangsläufigen Geheimnisse noch gefestigt und der Aufstand gegen das Unrechte wird durch gemeinschaftliches Handeln erleichtert.

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht imvoraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“

Aus den letzten Wochen vor seinem Tod sind keine Briefe mehr von Dietrich Bonhoeffer überliefert. Ich hoffe, er hat Gott bis zuletzt bei sich gespürt und konnte Trost in seiner Nähe finden.

Ein Kommentar zu “„Schweigen im Angesicht des Bösen ist selbst böse.“

  1. „Aus den letzten Wochen vor seinem Tod sind keine Briefe mehr von Dietrich Bonhoeffer überliefert. Ich hoffe, er hat Gott bis zuletzt bei sich gespürt und konnte Trost in seiner Nähe finden.“

    Sehr rührend sind aber die letzten Worte, die er kurz vor einer Hinrichtung Bischof Georg Bell ausrichten ließ:

    „Tell him that this is for me the end, but also the beginning – with him I believe in the principle of our Universal Christian brotherhood which rises above all national hatreds and that our victory is certain – tell him, too, that I have never forgotten his words at our last meeting“

    Auch soll er kurz vor seiner Hinrichtung noch einen Gottesdienst gehalten und für seine Mitgefangenen gebetet haben.

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