Unrecht tun ist schlimmer als Unrecht erleiden

Socrates ist bekannt für seine schlimme Frau (die sprichwörtliche Xanthippe), für seine Methode, mit Fragen die Leute gegen sich aufzubringen und für den Schierlingsbecher, den er trank um sein Todesurteil zu vollstrecken. Er hatte einen großen EInfluss auf viele weitere Denker, darunter Platon, Xenophon und Euklid von Megara und nannte sich als erster einen Freund der Weisheit (Freund: Philos, Weisheit: Sophia).

Er war stolz darauf zu wissen, dass sein Wissen beschränkt ist (etwas, dass die meisten Menschen, mich eingeschlossen, nur schwer zugeben können, wenn sie es denn tatsächlich erkennen!) und glaubte fest daran, dass der Mensch grundsätzlich das Richtige tun möchte.

Wirklich bewundernswert finde ich aber seine Grundeinstellung: Das geltende Recht steht über fast allem, auch meinem persönlichen Wohlbefinden. Für diese Einstellung nahm er sein Todesurteil nicht nur in Kauf sondern unterließ sogar einen für ihn geplanten Fluchtversuch, der sein Leben gerettet hätte. Als „Besserwisser“ und „Wortverdreher“ wurde er schon vorher von vielen gemieden. Nachdem er sich weigerte einen Gegner der Herrschenden , den er für unschuldig hielt, zum Tode zu verurteilen sagte im vollen Bewusstsein, dass ihn dies sein Leben kosten könnte:

„Damals bewies ich wahrlich wieder nicht durch Worte, sondern durch die Tat, dass mich der Tod, wenn es nicht zu grob klingt, auch nicht so viel kümmert, dass mir aber daran liegt, nichts Unrechtes und Unfrommes zu tun.“

 

Er lebte sein Leben (und starb) nach seinen Grundsätzen. Dafür hat er einen Platz in meinem Blog mehr als verdient.

Sokrates erarbeitete sich durch Gespräche mit seinen Schülern und den Bürgern Athens folgende Überzeugung:
Die rechte Einsicht führt zu gerechtem Handeln. Das gerechte Handeln des Einzelnen aber auch der Gemeinschaft (zum Beispiel des Staates Athen) führt zu Gutem, was wiederum Glück bedeutet. Der sich selbst erkennende Mensch meidet Unrecht und dient so der Gemeinschaft, er wird glücklich sein und Seelenheil erlangen. Somit ist es wichtiger das Richtige zu tun, als zu vermeiden, dass einem Unrecht widerfährt.

Gesetze, sagt Sokrates, sind grundsätzlich zu befolgen, Loyalität gegenüber dem Staat ist notwendig. Unrechte Gesetze sind über den demokratischen Prozess zu ändern, ansonsten aber zu befolgen, solange man selber nicht dazu gezwungen wird Unrecht zu tun. Sokrates Ziel mit seinen Gesprächen war es, den einzelnen Menschen zur Erkenntnis des Guten zu verhelfen, damit sie danach entsprechend handeln.

Als er deshalb wegen „verderblichen Einfluss auf die Jugend“ und Missachtung der Götter“ zum Tode verurteilt wurde, konnte Sokrates nichts anderes tun, als den Gesetzen Athens zu folgen – auch wenn sie ihm Unrecht taten. Er selber beging ja keine Unrecht und musste sich so dem Urteil seiner Mitbürger beugen. Tatsächlich machte er während seinem Prozess klar:

„Ich schätze euch, Männer Athens, und liebe euch, gehorchen aber werde ich mehr dem Gotte als euch, und so lange ich atme und Kraft habe, werde ich nicht ablassen zu philosophieren und euch zu befeuern.“

Erst nachdem ich mich etwas intensiver mit Sokrates beschäftigt habe, habe ich begonnen zu verstehen, was für ein großartiger Denker seiner Zeit er doch war. Auch wenn er Frauen nicht besonders viel Beachtung schenkte, ist er doch ein großer Einfluss, auch für heute, geblieben. Wer, wie ich, keine Lust und Zeit hat die originalen Schriften von Platon zu lesen, dem empfehle ich das Buch Sophie’s Welt von Jostein Gaarder und den Wikipedia Eintrag, dort lest ihr aber am besten die Unterartikel, um tiefer zu gehen!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s